24
Jul
2016

Swiss O Week ohne O

Die letzte Woche verbrachte ich im Engadin, wo die diesjährige Swiss Orienteering Week ausgetragen wurde. Natürlich war ich für diesen 6-Tage-OL angemeldet und natürlich wäre ich sehr gerne gelaufen. Doch schon bevor ich ins Engadin reiste, stand klar, dass mein Knie da nicht mitmachen würde. So nahm ich anstatt der OL-Ausrüstung mein Bike und meine Badesachen mit. Denn eine Woche in den Schweizer Bergen wollte ich mir - auch wenn ich nicht OL machen konnte - nicht entgehen lassen.

Fünf von sieben Tagen präsentierte sich das Wetter von seiner besten Seite. Ich konnte sehr gut alternativ trainieren (biken, aquajoggen, schwimmen, Krafttraining machen), hatte aber auch Zeit, um auf den Piz Nair hinaufzufahren, im Stazersee zu baden und in S-Chanf Bogen zu schiessen.

Die Swiss O Week hat auch ohne O Spass gemacht, ich hoffe jedoch, dass auch ich bald wieder rennend unterwegs sein kann.

06
Jul
2016

Ein gutes Geburtstagsgeschenk

Vorgestern wurde ich 22 Jahre alt. Es war ein wunderschöner Tag und ich habe viele nette Glückwünsche erhalten. Doch das Beste an diesem Tag war, dass ich das erste Mal seit über drei Wochen wieder trainieren durfte.

Da ich mich seit Mitte Juni nicht sportlich betätigen durfte, hatte ich plötzlich ungewohnt viel Zeit zur Verfügung. Einen Teil dieser Zeit nutzte ich, um Dinge zu erledigen und Sachen zu unternehmen, für die ich ansonsten keine Zeit habe. Doch wenn man sich ein Vollzeitstudium und tägliches Training gewohnt ist, ist es nicht ganz einfach, umzuschalten. Letztes Mal, als ich im Frühling pausieren musste, hatte ich wenigstens das Studium. Dieses Mal hatte ich Semesterferien. Es fehlte mir eine Tagesstruktur. Ich stand am Morgen auf und wusste nicht immer, was ich an diesem Tag machen wollte. Ein paar Tage lang war das ja schön und gut, danach wurde es mir aber langweilig.

Umso schöner war es, als ich am Montag eine kleine Runde auf dem Rennvelo drehen durfte und in der Physiotherapie Kraftübungen bekam, die ich nun täglich machen darf. Gestern hatte ich leichten Muskelkater, ein tolles Gefühl! Ich bin auf dem Weg zurück! Mit dem Lauftraining muss ich mich noch etwas gedulden, doch solange es so schönes Wetter ist und ich Velo fahren kann, macht mir das nicht allzu viel aus.

22
Jun
2016

Geduldsprobe

Geplant war eine Trainingswoche mit dem Nationalkader in Strömstad, Schweden, und anschliessend die Teilnahme an der Jukola-Staffel in Finnland, wo ich wieder einmal meinen schwedischen Klub vertreten sollte. Ich wollte mich in dieser Zeitspanne vor allem auf die Technik konzentrieren, um Selbstvertrauen für die bevorstehenden Selektionsläufe für die Studenten-WM zu tanken.

Drei Tage lang lief alles nach Plan. Sechs tolle Trainings konnte ich in diesen drei Tagen absolvieren. Trainings, die mir wieder einmal aufgezeigt haben, wie schön es im Norden sein kann; die Wälder waren traumhaft und das Wetter hätte kaum besser sein können. In anderen Worten hat es richtig Spass gemacht! Und dann schwoll mein Knie, das ich zwölf Wochen zuvor operiert hatte, über Nacht an. Ohne Vorwarnung. Mir war sofort klar: mit einem solchen Knie kann ich nicht rennen. Es folgten drei Ruhetage, doch weder Hochlagern, Kühlen noch Cremen konnten die Schwellung reduzieren. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Physiotherapeuten, die dabei waren und sich wirklich viel Zeit genommen haben, mir zu helfen. Doch leider wussten auch sie bald nicht mehr weiter und so blieb mir nichts Anderes übrig, als schweren Herzens fünf Tage früher als geplant in die Schweiz zurückzureisen.

Nach einigen ärztlichen Abklärungen kann ich nun davon ausgehen, dass das Knie sich aufgrund von Überbelastung mit Flüssigkeit gefüllt hat. Auf zehn Ruhetage werden mindestens noch zehn weitere folgen. Das bedeutet, dass ich nicht an den Selektionsläufen für die Studenten-WM teilnehmen kann. Und das bedeutet auch, dass ich meinen Sommer neu planen muss. Ich muss Geduld haben, bis sich das Knie erholt hat und kann erst dann wieder mit einem Aufbau beginnen.

Es tut weh. Es tut mehr weh, als in einen Kaktus zu rennen. Ich spreche aus Erfahrung.

27
May
2016

Mitteldistanz

Mit der Langdistanz war ich nicht ganz zufrieden und so wollte ich es an der Mitteldistanz besser machen. Wie schon in der Langdistanz musste ich mich aber zuerst für den Final qualifizieren. Vor dem Start fühlte ich mich super und ich wusste genau, wie ich laufen wollte. Den ersten Posten lief ich gut an, zum zweiten Posten unterlief mir dann aber schon einen Fehler und ich handelte mir schon einen Rückstand von zwei Minuten ein. Ich wurde etwas gestresst, lief die nächsten Posten jedoch sauber (und schnell!) an, bevor mir dann der nächste kleine Fehler passierte. Schlussendlich hatte ich in meinem Heat fünf Minuten Rückstand, was nicht für den Finaleinzug reichte. Bitter. Damit hatte ich nicht gerechnet. (Karte Qualifikation, GPS, Rangliste)

Mit etwas Abstand zum Rennen versuche ich mir mein Scheitern in der Qualifikation zu erklären. Klar ist, dass ich nach der Operation wieder auf einem guten Niveau bin – ich fühlte mich vor dem Lauf wirklich gut und die Zwischenzeiten von den Posten, die ich gut angelaufen bin, bestätigen mir, dass ich mich nicht verstecken muss! So begründe ich meinen schlechten Lauf vielmehr durch die hohen Erwartungen meinerseits und die fehlenden Wettkämpfe im Frühling, wo ich Selbstvertrauen hätte tanken können. Mir fehlte während des Qualifikationsrennens die nötige Ruhe, um sauber OL zu machen.

(Foto: Rémy Steinegger)

Heute lief ich den B-Final. Ich konnte mich nach dem gestrigen Lauf nochmals zusammennehmen und lief auf den guten zweiten Rang. Schade, dass ich diese Leistung nicht im A-Final zeigen durfte, aber immerhin konnte ich so die EM für mich gut abschliessen. (Karte Final, Rangsliste)

Morgen findet die Staffel statt. Es wird sicher nochmals ein sehr spannendes Rennen und ich freue mich darauf, meine Teamkollegen live verfolgen zu können. Insgesamt haben die Schweizer diese Woche bereits sieben Medaillen gewonnen und die Chancen stehen gut, dass es morgen noch mehr werden!

Diese Wettkampfswoche war für mich eine Art «Comeback» nach meiner Verletzung. Ich bin mit meinen Leistungen nicht ganz zufrieden, nehme aber trotzdem sehr viel Positives mit auf meinen weiteren Weg. Ich habe viel gelernt und nächstes Mal werde ich schneller und schlauer am Start stehen!

25
May
2016

Langdistanz

Nachdem ich am Wochenende als Zuschauerin mit den anderen Schweizern mitfieberte, durfte ich am Montag endlich selber ins Wettkampfsgeschehen eingreifen. Mit der Langdistanz Qualifikation bin ich zufrieden. Ich lief kontrolliert und konnte mich so in meinem Heat als Zehnte deutlich für den Final qualifizieren. (Bei der Qualifikation gibt es drei Heats und es kommen jeweils 17 Läuferinnen in den Final.) (Karte Qualifikation, Rangliste, GPS)

Voll fokussiert auf dem Weg Richtung Ziel (Foto: Rémy Steinegger)

Tags darauf ging es mit dem Final weiter. Ich hatte mir vorgenommen, nochmals so zu laufen, wie am Vortag. So sollte es für eine Klassierung in den Top 30 reichen. Hier eine kurze Zusammenfassung meines Rennens mit Kartenausschnitten und Bildern:

Ich starte gut und beim zweiten Posten habe ich noch alles im Griff.

Da fühlen sich die Beine noch richtig gut an (Foto: eoc2016.cz)

Zum dritten Posten werde ich in Postennähe unsicher und kann die Objekte nicht mehr genau zuordnen. Ich muss mich auf dem kleinen Weg oberhalb des Postens auffangen und verliere beinahe drei Minuten zu diesem Posten!

Mein Fehler zum 3. Posten

Unmittelbar nach meinem Fehler erwartet mich eine lange Teilstrecke. Ich entscheide mich dafür, nahe am Strich zu bleiben. Hier wäre es schlauer gewesen, links auf dem Weg zu rennen.

Die lange Routenwahl zum 4. Posten

Beim vierten Posten gibt es Wasser. Da es sehr warm ist und die Bahn noch lang, gilt es sich unterwegs schon früh zu verpflegen. Ich nehme also einen Gel und trinke Wasser.

Zwischenverpflegung (Foto: Rémy Steinegger)

Der mittlere Teil der Bahn gelingt mir gut. Gegen Schluss geht mir dann die Energie aus und ich verliere in den letzten zehn Minuten noch vier Ränge. Entsprechend müde komme ich ins Ziel.

Hier fühlen sich die Beine nicht mehr so toll an

Schlussendlich muss ich mit dem 38. Rang vorliebnehmen. Immerhin kann ich mich damit trösten, dass ohne diesen Patzer zum dritten Posten einen Top 30 Platz möglich gewesen wäre. (Karte Final, Rangliste, GPS)

Im Ziel, etwas enttäuscht und erschöpft

Heute habe ich einen wettkampfsfreien Tag. Am Morgen war ich kurz auf der "Model-Karte" von der Mitteldistanz. Diese "Model-Karte" befindet sich umittelbar neben dem Wettkampfsgelände und wurde von der Person gezeichnet, die auch die Wettkampfskarte aufgenommen hat. So bekam ich einen Eindruck davon, wie das Gelände auf der Karte wiedergegeben ist. Es war wunderschön und die Beine fühlten sich nach der harten Langdistanz von gestern schon wieder ganz gut an. Nun freue ich mich auf morgen und möchte diese zweite Chance nutzen, um zu zeigen, was ich wirklich kann!

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