Am 23. Mai werde ich zum ersten Mal an einer internationalen Meisterschaft bei der Elite am Start stehen. Genauer gesagt werde ich an diesem Tag die Qualifikation für den Langdistanz-Final bestreiten. Am folgenden Tag findet der Final statt und noch in derselben Woche werde ich auch die Mitteldistanz-Qualifikation sowie den Mitteldistanz-Final laufen. Somit habe ich ein grosses Ziel dieser Saison bereits erreicht: Die EM-Selektion.

Mein Wintertraining verlief sehr gut und im ersten Trainingslager mit dem Nationalkader anfangs März in Spanien bekam ich die erhoffte Bestätigung, dass ich den Winter durch Fortschritte gemacht hatte. Doch noch im selben Trainingslager rannte ich bei einem Nacht-OL-Training in einen kniehohen Kaktus. Die verbleibenden Trainings konnte ich aufgrund von unerklärlichen Knieschmerzen, welche unmittelbar nach der Kaktuskonfrontation auftraten, nicht absolvieren. Zu Hause in der Schweiz wurde festgestellte, dass sich eine 5mm lange Kaktusstachelspitze in meinem Schleimbeutel eingenistete hatte. Der Stachel und einen Teil des Schleimbeutels mussten operativ herausgenommen werden.
Nach einer guten Woche durfte ich langsam wieder mit Velofahren beginnen und nach zwei Wochen konnte ich wieder die ersten kurzen Trainingseinheiten zu Fuss machen. Insgesamt musste ich fünf Wochen fast gänzlich aufs Training verzichten. Es war keine einfache Zeit, standen doch schon bald die Selektionsläufe für die EM an. Schlussendlich konnte ich nur einen von den vier Selektionsläufen bestreiten. Ich lief solide und einige Tage später bekam ich den Bescheid, dass ich an der EM die Mittel- und Langdistanz laufen darf!

In den letzten drei Wochen konnte ich mein Training langsam wieder steigern und letzte Woche verbrachte ich zusammen mit den anderen Schweizern, welche an der EM dabei sein werden, im tschechischen EM-Austragungsort Jesenik, um mich auf die EM vorzubereiten. Pro Tag wurden bis zu drei verschiedene OL-Trainings angeboten, damit sich jeder spezifisch auf seine Disziplinen vorbereiten konnte. Ich war mit dem Motto «weniger ist mehr» nach Tschechien gereist, da ich nicht genau wusste, wie mein Knie auf die vielen Einheiten reagieren würde. So liess ich einige Trainings weg und ersetzte andere mit kurzen Joggings. Insgesamt bin ich mit meiner Trainingswoche zufrieden; mein Knie hat ganz gut mitgemacht, läuferisch bin ich schon wieder auf einem guten Niveau und technisch fühle ich mich in den tschechischen Wäldern wohl.

Da wir erst sehr spät am Abend von Prag zurück in die Schweiz flogen, hatten wir noch einige Stunden Zeit, die Stadt zu besichtigen. Ich war zuvor schon mehrere Male am Flughafen in Prag, jedoch noch nie in der Stadt selber. Es war ein wunderschöner Frühlingstag und die Stadt hat mir sehr gefallen.

Nun bin ich wieder zu Hause. In den nächsten zwei Wochen geht es darum, mich möglichst gut auf die EM vorzubereiten – physisch wie auch technisch und mental. So werde ich noch ein paar Intervalltrainings machen und einige Stunden ins Kartenstudium investieren.