Die Rechnung ist (fast) aufgegangen

Um Spitzensport und Studium vereinbaren zu können, braucht es eine gute Planung. So überlege ich mir anfangs Semester immer genau, welche Vorlesungen ich belegen möchte. Diesen Frühling habe ich mich dafür entschieden, nur wenige Vorlesungen zu nehmen, dafür noch meine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich war dieses Semester also flexibler und selbstständiger, was für mich bei meinen vielen Abwesenheiten im Frühling ein grosser Vorteil war. Die Rechnung ist zurückblickend gut aufgegangen: Ich konnte gut trainieren und mir einen Startplatz an der WM sichern und ich habe diese Woche meine Bachelorarbeit abgegeben und erfolgreich präsentiert. Was für ein Frühling! Doch da ist noch dieser Weltcup von letzter Woche, an dem ich alles andere als brilliert habe…

Am Weltcup in Finnland stand eine Mini-Tour an: Die Zeiten von der Sprint-Qualifikation und der Mitteldistanz wurden zusammengezählt und bildeten die Grundlage für die Startliste für den abschliessenden Jagdstart. Im Sprint Final konnte zusätzlich noch um Bonussekunden gekämpft werden.

In der Sprint Qualifikation lief ich zwar nicht schlecht, es kamen jedoch nur 40 von 110 Läuferinnen in den Final und für das reichte meine Leistung nicht. Schade, aber für die Mini-Tour war noch nichts verloren. (Rangliste)

Zwei Tage später stand ich motiviert und konzentriert am Start über die Mitteldistanz. Meinte ich auf jeden Fall. Konzentriert kann ich nicht gewesen sein, denn sonst wäre ich nicht so katastrophal schlecht gelaufen. Am besten schaut man sich mein GPS an und fragt sich, wie eine solche Läuferin im Schweizer Nationalkader sein kann. Als ich zum 9. Posten plötzlich auf einem Weg stand und merkte, dass ich die Karte 180 falsch in der Hand hielt, habe ich mich das auf jeden Fall auch gefragt. Ich fühlte mich so, als hätte ich in einer Mathematikprüfung eine ganze Aufgabe Minus statt Plus gerechnet und es erst bei der Abgabe gemerkt. Ein blödes Gefühl. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu sammeln und dann ging’s vollgas weiter. (Rangliste)

Meine Ausgangslage für den abschliessenden Jagdstart war alles andere als gut. Ich startete als 73. und hatte dementsprechend die Startnummer 73. Das war ja peinlich, als WM-Läuferin im Schweizer Dress mit einer so hohen Startnummer zu starten! Ich hatte mich aber selber in diese Lage gebracht und hatte es auch selber in der Hand, das wieder gut zu machen. Ich lief dann wirklich gut, überholte fast 40 Läuferinnen und kam als 44. ins Ziel. Positiv stimmt mich vor allem die Tatsache, dass ich alleine gleich schnell lief, wie die Läuferinnen, bei denen ich hätte starten sollen und die voneinander profitieren konnten. (GPS, Rangliste)

Warum ich nicht an die guten Leistungen der WM-Selektionsläufe anknüpfen konnte, ist schwierig zu erklären. Ich hatte in der Woche zwischen den Selektionsläufen und dem Weltcup mit meiner Arbeit viel zu tun. Physisch konnte ich mich in dieser Woche erholen, mental wohl nicht ganz. Ich wollte viel, denn ich wusste, dass ich in Form war. Der Kopf war aber müde und kürzte «technisch» ab, was mit Fehlern betraft wurde. Aber wenigstens konnte ich über die Langdistanz reagieren und lief da gut.

Heute habe ich mit einem harten Intervalltraining die fünfwöchige Vorbereitung für die WM lanciert. Da ich meine Arbeit abgegeben habe und meine Prüfungen erst im September habe, werde ich in den nächsten fünf Woche «OL-Profi» sein. So cool! Ich freue mich auf jedes einzelne Training und werde alles daran setzten, in Estland mental und physisch «voll parat» zu sein!

Foto: Beat Meier