11
Jul
2017

Mein WM-Debüt

Noch nie zuvor hatte ich mich so spezifisch auf einen einzigen Wettkampf vorbereitet. Technisch, physisch und mental sollte am 6. Juli alles zusammenpassen und dafür hatte ich in den letzten Wochen viele spezifische Trainings absolviert. Als ich dann am WM-Start stand, hatte ich einen genauen Plan im Kopf, wie ich das Rennen angehen wollte. Trotz Nervosität wollte ich ruhig und systematisch laufen.

Der Start gelang mir gut. Das Gelände war sehr unübersichtlich und ich musste viel Zeit in die Technik investieren – physisch konnte ich hier nicht am Limit laufen. Im Mittelteil unterliefen mir dann zwei Fehler. Obwohl ich jeweils nicht weit vom Posten entfernt war, brauchte ich viel Zeit, um mich wieder auf der Karte einzulesen und zu reagieren. Hier vergab ich meine Chance, in die Top 20 zu laufen.

Im Schlussteil lief ich wieder gut und konnte mich auf den 30. Rang vorkämpfen. Endlich hatte ich das Gelände im Griff und konnte das Tempo erhöhen. (Rangliste, GPS)

WM-Karte: Der 8. und 10. Posten wurde mir zum Verhängnis

Natürlich wäre ich gerne in die Top 20 gelaufen, doch an diesem Tag war ich zu wenig sicher unterwegs und lief etwas zu zurückhaltend. In den nächsten Tagen werde ich nun analysieren, was ich hätte anders machen können, damit es nächstes Mal in der Rangliste weiter nach vorne reicht…

Zusammenfassend war es eine sehr tolle, spannende und lehrreiche Woche! An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Schweizer Team für eine tolle WM und an die Fans für's Anfeuern!

Fotos: Reigo Teervalt, Rolf Gemperle

29
Jun
2017

sportaktuell vom 27. Juni 2017

Am Dienstagabend wurde in der Sendung sportaktuell eine Vorschau auf die OL-WM mit meiner WG-Mitbewohnerin Martina Ruch und mir ausgestrahlt. Wer den Beitrag noch nicht gesehen hat, der kann das hier nachholen.

Morgen fängt dann endlich die WM an! Bis ich meinen Einsatz habe, muss ich mich jedoch noch etwas gedulden: Die Mitteldistanz findet am nächsten Donnerstag, 6. Juli, statt. Bis dahin werde ich noch ein paar wenige OL-Trainings absolvieren und die anderen Schweizer bei den Sprintdisziplinen und bei der Langdistanz anfeuern!

Nützliche Links

27
Jun
2017

Erste SM-Medaille

Am letzten Wochenende fanden die Schweizermeisterschaften im Sprint- und Langdistanz-OL im Aargau statt. Da diese Wettkämpfe die letzten vor meinem WM-Einsatz waren, waren sie – obwohl sowohl die Distanzen wie auch das Gelände nicht einmal im weitesten Sinne mit der WM-Mitteldistanz vergleichbar sind – eine Art Hauptprobe.

Im Sprint führte die Bahnanlage durch einen grossen Park, Einfamilienhäuser, dem Römerlager Vindonissa und einem Schulhausareal. Es war ein abwechslungsreicher Sprint, bei dem einige Routenwahlentscheidungen gefällt werden mussten. Natürlich waren auch schnelle Beine gefragt.

Ich schlug mich nicht schlecht: Technisch kam ich gut durch und läuferisch bin ich, obwohl ich noch nicht mit den schnellsten mithalten kann, auch zufrieden. Schlussendlich lief ich auf den für mich sehr guten 7. Rang. (Rangliste, GPS)

Die Langdistanz wurde auf der Salhöchi ausgetragen. 8.8 Kilometer OL, 17 Posten und nicht weniger als 455 Höhenmeter erwarteten uns Eliteläuferinnen. Zum Glück stiegen an diesem Tag die Temperaturen nicht über 30 Grad, ansonsten wäre es wohl noch härter geworden… Im ersten Teil der Bahn wurde ich mit zwei langen Routenwahlen überrascht. Ich erwischte bei keiner die Idealroute, setzte meine Routen aber gut um und konnte so die Zeitverluste in Grenzen halten.

Erster Teil der Langdistanz-Bahn

Ansonsten lief ich sehr gut und konnte mich im Ziel über den zweiten Rang hinter Simone Niggli freuen. Ich erlief mir also meine erste SM-Medaille bei der Elite, was natürlich Selbstvertrauen für die bevorstehende WM gibt! (Rangliste)

Apropos WM: Gestern hatten meine WG-Mitbewohnerin Martina und ich Besuch vom SRF. Den Beitrag «Porträt Martina Ruch und Lisa Holer vor der WM» gibt es heute, 27.06.2017, um 22.35 Uhr auf SRF 2 zu sehen.

16
Jun
2017

Estland zum Sechsten

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren bereits fünfmal nach Estland gereist bin, um zu trainieren oder um an Wettkämpfen teilzunehmen, reiste ich letzte Woche erstmals mit der Gewissheit an, dass ich tatsächlich an der WM starten werde.

Das Ziel des WM-Trainingslagers war, mich im estnischen Gelände spezifisch auf die WM-Mitteldistanz vorzubereiten. Obwohl ich schon unzählige Trainings in der Gegend rund um Otepää gemacht habe, war diese Woche für mich sehr lehrreich, denn seit anfangs Mai hat sich die Vegetation stark verändert. Wo damals die Sicht gut war, stand ich diese Woche oft vor einer grüneren Wand, was das Orientieren deutlich erschwerte. Zudem konnte ich viel von den erfahrenen WM-Läufern und Trainern profitieren.

Insgesamt habe ich gut trainiert und weiss nun, woran ich in den letzten drei Wochen noch arbeiten muss. Doch bevor ich für die letzten Vorbereitungen in die Schweiz zurückkehre, werde ich noch an der Venla-Staffel in Joensuu teilnehmen. Dieses Jahr haben wir (Eksjö SOK) ein sehr starkes Frauenteam und wir hoffen, dass wir den Klubrekord angreifen können.

01
Jun
2017

Die Rechnung ist (fast) aufgegangen

Um Spitzensport und Studium vereinbaren zu können, braucht es eine gute Planung. So überlege ich mir anfangs Semester immer genau, welche Vorlesungen ich belegen möchte. Diesen Frühling habe ich mich dafür entschieden, nur wenige Vorlesungen zu nehmen, dafür noch meine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich war dieses Semester also flexibler und selbstständiger, was für mich bei meinen vielen Abwesenheiten im Frühling ein grosser Vorteil war. Die Rechnung ist zurückblickend gut aufgegangen: Ich konnte gut trainieren und mir einen Startplatz an der WM sichern und ich habe diese Woche meine Bachelorarbeit abgegeben und erfolgreich präsentiert. Was für ein Frühling! Doch da ist noch dieser Weltcup von letzter Woche, an dem ich alles andere als brilliert habe…

Am Weltcup in Finnland stand eine Mini-Tour an: Die Zeiten von der Sprint-Qualifikation und der Mitteldistanz wurden zusammengezählt und bildeten die Grundlage für die Startliste für den abschliessenden Jagdstart. Im Sprint Final konnte zusätzlich noch um Bonussekunden gekämpft werden.

In der Sprint Qualifikation lief ich zwar nicht schlecht, es kamen jedoch nur 40 von 110 Läuferinnen in den Final und für das reichte meine Leistung nicht. Schade, aber für die Mini-Tour war noch nichts verloren. (Rangliste)

Zwei Tage später stand ich motiviert und konzentriert am Start über die Mitteldistanz. Meinte ich auf jeden Fall. Konzentriert kann ich nicht gewesen sein, denn sonst wäre ich nicht so katastrophal schlecht gelaufen. Am besten schaut man sich mein GPS an und fragt sich, wie eine solche Läuferin im Schweizer Nationalkader sein kann. Als ich zum 9. Posten plötzlich auf einem Weg stand und merkte, dass ich die Karte 180 falsch in der Hand hielt, habe ich mich das auf jeden Fall auch gefragt. Ich fühlte mich so, als hätte ich in einer Mathematikprüfung eine ganze Aufgabe Minus statt Plus gerechnet und es erst bei der Abgabe gemerkt. Ein blödes Gefühl. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu sammeln und dann ging’s vollgas weiter. (Rangliste)

Meine Ausgangslage für den abschliessenden Jagdstart war alles andere als gut. Ich startete als 73. und hatte dementsprechend die Startnummer 73. Das war ja peinlich, als WM-Läuferin im Schweizer Dress mit einer so hohen Startnummer zu starten! Ich hatte mich aber selber in diese Lage gebracht und hatte es auch selber in der Hand, das wieder gut zu machen. Ich lief dann wirklich gut, überholte fast 40 Läuferinnen und kam als 44. ins Ziel. Positiv stimmt mich vor allem die Tatsache, dass ich alleine gleich schnell lief, wie die Läuferinnen, bei denen ich hätte starten sollen und die voneinander profitieren konnten. (GPS, Rangliste)

Warum ich nicht an die guten Leistungen der WM-Selektionsläufe anknüpfen konnte, ist schwierig zu erklären. Ich hatte in der Woche zwischen den Selektionsläufen und dem Weltcup mit meiner Arbeit viel zu tun. Physisch konnte ich mich in dieser Woche erholen, mental wohl nicht ganz. Ich wollte viel, denn ich wusste, dass ich in Form war. Der Kopf war aber müde und kürzte «technisch» ab, was mit Fehlern betraft wurde. Aber wenigstens konnte ich über die Langdistanz reagieren und lief da gut.

Heute habe ich mit einem harten Intervalltraining die fünfwöchige Vorbereitung für die WM lanciert. Da ich meine Arbeit abgegeben habe und meine Prüfungen erst im September habe, werde ich in den nächsten fünf Woche «OL-Profi» sein. So cool! Ich freue mich auf jedes einzelne Training und werde alles daran setzten, in Estland mental und physisch «voll parat» zu sein!

Foto: Beat Meier

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